Uwe Rotter
08.07.2009

Zur Sache: Twitter im WWW - was, warum, wozu?

Nein, ignorieren kann man Twitter nicht mehr. Wenn ein Begriff so oft durch die Medien geistert, dann stellt sich früher oder später unweigerlich die Frage: Was ist das eigentlich?
 

Also, Twitter ist ein so genannter Mikro-Blog, ein Online-Werkzeug, das es den Nutzerinnen und Nutzern ermöglicht, auf sehr einfache Weise Inhalte ins Internet zu stellen. Und weil nur 140 Zeichen erlaubt sind, muss man sich ganz schön kurz fassen. Zum Twittern gehört aber auch, dass man sich mit anderen vernetzt. Da gibt es die einen, die meine Einträge lesen, das sind die so genannten "Followers". Umgekehrt kann ich natürlich auch Beiträge ausgewählter Twitterer lesen, eben diejenigen der Nutzerinnen und Nutzer, denen ich "folge".

Ich stelle mir da eine Menschenmenge vor. Mittendrin bin ich, hinter mir meine "Follower", die auf meinen nächsten Piep warten, und vor mir die Leute, deren verbale Ergüsse ich mir nicht entgehen lassen will. Alle reden, und keiner gibt den Ton an. Das klingt dann wahrscheinlich so wie ein Schwarm Stare in einem großen Baum.

 

Und wofür ist Twitter gut? Die Plattform antwortet mit einer Gegenfrage, die über jedem in Arbeit befindlichen "Tweet" prangt: What are you doing? Im Geiste führe ich diese persönliche Frage mit dem Titel der Plattform zusammen und schließe messerscharf: Es geht ums Tratschen! Und dafür braucht man das Internet?

Im Leben 1.0, also ohne Computer und Internet, kann man sich prächtig mit einer Person unterhalten. So ein Kaffeeklatsch kann auch mit mehreren Leuten stattfinden. Mit Twitter allerdings kann ich den Online-Klatsch locker auf ein paar Hundertschaften ausweiten. Das wiederum ruft all diejenigen auf den Plan, die möglichst viele Leute erreichen wollen.

Barack Obama hat ja bekanntermaßen in seinem Wahlkampf Twitter fleißig genutzt. Diesem Beispiel folgen nicht wenige Politiker und Promis. Und das mag auch eine weitere Erklärung der rasanten Verbreitung von Twitter sein. Ich bin nur noch wenige Mausklicks von berühmten Persönlichkeiten entfernt. Außerdem ist Twitter rasend schnell. Bevor die klassischen Medien berichten, hat auf Twitter schon jemand gezwitschert. Und wenn die Presse gar nicht mehr durchkommt, ist Twitter die letzte Chance für Berichte von der Straße. Was aber ist aber wahr, was ist erfunden, was Manipulation?

Ich kann es nicht verbergen, für mich wirft Twitter viele Fragen auf. Aber mit Twitter ist es bestimmt wie mit Beton: Es kommt darauf an, was man daraus macht! Und so ein Betonkopf wie ich hat einfach noch nicht das Potenzial erkannt. Da sind andere Leute schon weiter als ich.

Da gibt es beispielsweise Shelly, einen Künstler und Lehrer, der Twitter für einen Latein-Test nutzte. Die Aufgabe bestand darin, ausgewählte Passagen eines lateinischen Textes zu übersetzen. Als Hilfsmittel waren bestimmte Online-Wörterbücher und eben Twitter erlaubt. Shelly war verblüfft, wie gut seine Schülerinnen und Schüler damit klarkamen.

Ein anderes Beispiel für die Nutzung von Twitter in einem Bildungskontext ist das amerikanische Projekt TwHistory. Dabei wurde ein historisches Ereignis, die Schlacht von Gettysburg aus dem amerikanischen Bürgerkrieg, über eine Vielzahl von Tweets nacherzählt, quasi in Echtzeit und mit entsprechend verteilten Rollen.

Mit Twitter kann man also auch etwas lernen. Twitter ist da ähnlich wie andere Online-Tools, man muss einfach mal loslegen, dann kommen früher oder später Ideen, wie man die Plattform für sich und seine Arbeit nutzen kann. Oder lassen Sie sich von Experten beraten. Davon gibt es ganz viele in Ihrer nächsten Umgebung: Ihre Schülerinnen und Schüler.

Bis bald im Netz

Uwe Rotter
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