Im letzten Schritt lernen die Schülerinnen und Schüler, die selbst erstellten Karten zu beschreiben. Besonderer Wert muss auf den Vergleich verschiedener Kartenentwürfe gelegt werden. Es ist davon auszugehen, dass die Arbeitsgruppen unterschiedliche Karten erarbeiten, die zu verschiedenen, mitunter sogar gegensätzlichen Aussagen führen können. Dennoch beruhen die Karten auf identischen Zahlenwerten. Dadurch wird deutlich, dass die Wahl der Klassengrenzen die Kartenaussage beeinflusst. Die damit erworbene Kartenkompetenz wird durch die von der Deutschen Gesellschaft für Geographie vorgegebenen Bildungsstandards deutlich hervorgehoben.
Hinsichtlich des Bevölkerungsanteils der über 65-Jährigen ist auf der Ebene der Bundesländer bei drei Klassen ein Ost-West-Gegensatz nur noch annähernd zu erkennen, der sich bei fünf Klassen auflöst (siehe Abb. 1 und 2, bitte Platzhalter anklicken). Vielmehr besteht auch ein Nord-Süd-Gefälle, und zwar in Ost- wie Westdeutschland. Der Bevölkerungsanteil unter 6 Jahren bietet demgegenüber weniger Darstellungsspielräume und belegt einen Ost-West-Gegensatz als Folge eines enormen Geburtenrückgangs in den neuen Bundesländern seit 1990.
Die Darstellungseffekte sind im Lernprozess beabsichtigt. Die Schülerinnen und Schüler sollen erkennen, dass anscheinend widersprüchliche Darstellungen nicht aufgelöst werden können: Sie lernen, dass thematische Karten nicht neutral sind und dass man die Intention des Kartenverfassers kennen muss, um beurteilen zu können, ob eine Karte den dargestellten Sachverhalt "gut" oder "schlecht" visualisiert. Sie erkennen dabei auch die große Verantwortung des Kartenerstellers.
Die Schülerinnen und Schüler lernen durch die Möglichkeit der schnellen Variation ihrer Karte, wie sich in Abhängigkeit von der Klassenzahl, der Wahl der einzelnen Klassengrenzen und der Farbwahl das Aussehen der Karte ändert und wie sich daraus verschiedene, anscheinend "belegbare" Aussagen ergeben (siehe Abb. 1, bitte Platzhalter anklicken). Sie erkennen die Manipulationsmöglichkeiten und erlangen letztlich eine spezielle Medienkompetenz.
Die beschriebenen kartographischen Aha-Effekte stellen sich nach unserer Ansicht nur ein, wenn die Schülerinnen und Schüler die Karten selbstständig mit selbst recherchierten Daten erstellen und - dies zeigt die Erfahrung - zunächst von ihrem Ergebnis überzeugt sind. "kartografix_schule" bietet hier ein ideales digitales "Experimentierfeld" für thematische Karten, deren analoges Pendant - Kartenerstellung mit Papier und Buntstiften - schon aus Zeitgründen im Unterricht nicht sinnvoll und nicht mit dem Wirkungsgrad von "kartografix_schule" nutzbar ist. Der Computereinsatz schafft hier also einen erheblichen Mehrwert.