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Frank Vohle, Johannes Metscher
15.10.2008

Web 2.0: Erweiterte Didaktik und Technologie

Das Konzept des Web 2.0 basiert darauf, dass die Nutzer selbst Inhalte produzieren. Dadurch ergeben sich auch im Grundschulbereich neue didaktische Möglichkeiten. Die Lernumgebung "Tech Pi und Malibu" greift diese Funktionalitäten auf.

Vom Konsumenten zum Produzenten

Neue Wahrnehmung und Nutzung
Im Kern verweist die Bezeichnung Web 2.0 auf eine veränderte Wahrnehmung und Nutzung des Internets, was sowohl technische als auch didaktische Potentiale beinhaltet. Aktuell kristallisieren sich neue Formen der Information, Kommunikation und Kollaboration heraus; das Netz dient nicht mehr zur Recherche, sondern auch zur Darstellung der eigenen Person oder Arbeitsgruppe (Panke, 2007; Kerres, 2007).

Das "Mitmach-Netz"
Für pädagogische Ziele und Kontexte ist dieses Thema deshalb interessant, weil das Internet nicht primär als Informationslieferant (only read web) gesehen wird, sondern als Hilfssystem für mentale und soziale Aktivitäten (read and write web), weshalb man auch vom "partizipativen Web" oder einfach "Mitmach-Netz" spricht. Im Grundschulkontext ist das Stichwort Web 2.0 noch relativ neu. Es gibt aber erste Initiativen, die vom Bloggen und Taggen oder von Wikis und Podcasts sprechen.

Narrative Methoden und digitale Medien

Digitale Medien wie das Internet können die Narration in Lehr-Lernszenarien auf vielfältige Weise unterstützen. Durch die Funktionen des Web 2.0 sind diese Möglichkeiten stark erweitert worden:

  • Geschichten können digital als Audio oder Video in den Präsenzunterricht oder in eine mediengestützte Lernumgebung eingebunden werden. Der Vorteil dabei ist, dass sich über die Digitalisierung viele verschiedene Darstellungsoptionen ergeben.
  • Wird eine Geschichte digital angeboten, können Lernende individuell und interaktiv in die Geschichte eingreifen - ein Umstand, den sich auch die zuvor genannten Ansätze "Anchored Instruction" und "Goal-Based Scenarios" zunutze machen.
  • Lernende können mithilfe digitaler Medien auch selbst Geschichten erzählen: Dies ist textbasiert etwa über Weblogs möglich, es funktioniert im Audio-Format, indem man einen Podcast erstellt, oder mit Bild- oder Filmeinsatz in Form von Foto- oder Videoblogs.
  • Eigene Geschichten können allein, besser aber in Partnerarbeit oder in kleinen Gruppen mithilfe digitaler Medien produziert, festgehalten, verändert oder weitererzählt werden.

Narration mit Web 2.0

"Tech Pi & Mali Bu" in neuer Version

Die Lernumgebung "Tech Pi & Mali Bu 2.0" baut auf den bereits beschriebenen Ansätzen zur Narration und zum Lernen mit digitalen Medien auf. Sie bietet im Kern vertonte Geschichten mit handgemalten Zeichnungen (so genannte Animatics) zu unterschiedlichen Sachkunde-Themen (derzeit Regenwurm und Klimawandel) inklusive Arbeitsblättern an. Neu sind die auf Partizipation und Aktivierung abstellenden Web 2.0-Elemente, die aus einer pädagogisch-psychologischen Perspektive von Bedeutung sind:

 
  • Mentale Aktivierung
    Die Schülerinnen und Schüler haben die Möglichkeit, die Animatics zu kommentieren, indem sie zeitmarkenbasiert Gedanken zu den gestellten Aufgaben eintragen. Die Kinder werden durch die neuen Funktionalitäten angeregt, Botschaften, die durch die Bildsituation transportiert werden, mit textbasierten Fragen oder Anmerkungen zu versehen. Diese Kommentare können durch Bilder, Videos oder Audios ergänzt werden. Dadurch besteht die Chance, bildhaftes und situatives Wissen mit begrifflichem Wissen zu verknüpfen.
  • Sprache
    Speziell die Möglichkeit, die Geschichten direkt mündlich zu kommentieren, also einfach nur einen Kommentar zu sprechen und diesen als Audio aufzunehmen, eröffnet vielfältige didaktische Anker zum Erzählen. So ist es zum Beispiel denkbar, dass Kinder zu bestimmten Stellen in den einzelnen Episoden eigene Geschichten erfinden oder Erfahrungen in Erzählform zunächst aufschreiben und sie dann im System als Audioaufnahme vertonen - oder umgekehrt.
  • Zusammenarbeit
    Kommentare und Beiträge der Kinder können auch in Arbeitsgruppen zu drei oder vier Kindern entstehen. Dazu müssen sich die Mitglieder einer Gruppe erst einmal absprechen, was sie veröffentlichen wollen. Dies ist ein erster (und direkter) kollaborativer Schritt. Der neue Beitrag wird in einem Kommentarstrang innerhalb der Geschichte angezeigt, so dass die Kinder ihre Anmerkungen im Kontext anderer Kommentierungen sehen können. Damit gehen sie den zweiten (und indirekten) kollaborativen Schritt. Die Schülerinnen und Schüler können sich so im Kontext der Meinungen anderer einordnen. Auf diesem Wege entsteht ein sozialer Raum, der das Aushandeln von Bedeutung unterstützt.

Neue Funktionen für Lehrkräfte
Neben den neuen Werkzeugen für Schülerinnen und Schüler bietet die Umgebung auch Erweiterungen für Lehrkräfte: Sie können nun selbst Aufgabenblätter entwickeln und diese an passenden Punkten in die als Film ablaufenden Geschichten integrieren. Ebenfalls neu ist die Funktion, unterschiedliche Klassen und Jahrgänge im System anzulegen, deren Kommentaraktivität die Lehrkraft dann auch beobachten kann. Zudem ist es möglich, alle Kommentare zu filtern und zwar nach Klassen, Namen und Themen.

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