ChatregelnIm Chat wechseln die Themen schnell und die Beiträge der Teilnehmer erscheinen oft zeitversetzt. Wichtig ist deshalb für den Einsatz des Chats im Unterricht, gemeinsam mit der Klasse Regeln zu vereinbaren, um dadurch ein möglichst strukturiertes und gewinnbringendes Gespräch zu ermöglichen.
Fragen sammeln und Chatter bestimmenIn einer vorbereitenden Stunde sammeln die Schülerinnen und Schüler in vier Kleingruppen Fragen für den Chat. Die Gruppen präsentieren ihre Fragen den Mitschülern, dadurch werden Dopplungen vermieden, und anschließend werden die Fragen zu Themenkomplexen gebündelt. Bei unserem Beispiel waren dies: Pharao, Pyramiden, Alltag, Tiere und der Beruf des Ägyptologen. Da bei 20, 25 oder gar 30 Schülerinnen und Schülern, die gleichzeitig "reden" (das heißt im Chat tippen), kein vernünftiges Gespräch entstehen kann, müssen Schülerinnen und Schüler ausgewählt werden, die direkt am Chat teilnehmen, um einen Chat mit einer ganzen Klasse durchzuführen.
ComputerarbeitsplätzeAls sinnvoll hat es sich erwiesen, maximal vier Computer für den Chat freizuschalten. Zusammen mit dem Experten und der Lehrperson macht das sechs Gesprächsteilnehmer. Die Gruppen, die die Fragen zusammengestellt haben, wählen jeweils zwei Schülerinnen und Schüler aus ihrer Gruppe, die stellvertretend für sie die Fragen im Chat stellen. Die übrigen Schülerinnen und Schüler verfolgen den Chat über den Beamer und erhalten den Auftrag, die Antworten zu "ihren" Fragen stichwortartig zu notieren. Da die Schülerinnen und Schüler immer zu zweit am Computer sitzen, können sich aus dem Gespräch ergebende Fragen von jeweils einem der beiden chattenden Schüler gesammelt werden. Alternativ wäre auch denkbar, dass alle Schülerinnen und Schüler an Computern sitzen und dort den Chat verfolgen, allerdings sollte man dann vorher bei lo-net² eine Rechteänderung vornehmen, so dass sie den Chat verfolgen, aber selbst nichts schreiben können. Denkbar ist auch, die Nachfragen zum Beispiel im Forum oder über den Messenger zu sammeln und an die Gesprächsteilnehmer weiterzugeben.
ZeitaufwandIn der zweiten Stunde findet der Chat statt. Auf jeden Fall sollte man ein Telefon und die Nummer des Experten dabei haben, für den Fall, dass es Unvorhergesehenes, wie einen Ausfall des Internets auf einer der beiden Seiten, technische Probleme mit dem Chat oder Ähnliches passiert. Ein Expertenchat ist in 45 Minuten möglich, besser ist jedoch eine Doppelstunde, um allen Fragen ausreichend Raum zu geben. Gleichfalls sinnvoll ist es, die Fragen oder zumindest die geplanten Themenbereiche vorher mit dem Experten zu besprechen, da der Erfolg des Gesprächs in großem Maßevon der Fähigkeit des Experten abhängt, den Stand der Wissenschaft in klaren und für Schülerinnen und Schüler verständlichen Worten zu vermitteln.
Auswertung des ChatsIn der nachfolgenden Stunde findet die Nachbereitung und Auswertung des Chats mit Hilfe der Aufzeichnungen der Schülerinnen und Schüler und eventuell des Chatausdrucks, der bei lo-net² möglich ist, statt. Eine etwas umfangreichere Auswertung am Ende dieser Unterrichtseinheit hat gezeigt, dass mehr als die Hälfte der Schülerinnen und Schüler den Chat als gut bis sehr gut bewerteten. Der Rest der Klasse fand ihn nur "ok", da die Schülerinnen und Schüler die mangelnde Zeit bei nur einer Unterrichtsstunde, in der nicht alle ihre Fragen beantwortet werden konnten, als Problem ansahen. Ebenso wurden die Unübersichtlichkeit des Chats sowie die Tatsache, dass nur wenige Schülerinnen und Schüler direkt schreiben durften, kritisiert. Umso interessanter ist das Ergebnis der Schülerbefragung hinsichtlich der Selbsteinschätzung des Lernerfolgs bei dieser Unterrichtsform: Fast 90 Prozent der Schülerinnen und Schüler gaben an, dass sie das Gefühl haben, in dieser Stunde viel, einige sogar sehr viel gelernt zu haben! Diese Selbsteinschätzung kann ich von Lehrerseite nur bestätigen, da die Schülerinnen und Schüler auf Nachfrage - fünf Tage nach der Stunde und ohne Blick auf die Notizen - sehr umfangreich darstellen konnten, was sie genau dazugelernt hatten. Die Inhalte waren deutlich präsenter als bei der Wiederholung des Unterrichtsstoffs einer normalen Stunde.
KritikDass von den Schülerinnen und Schülern Unübersichtlichkeit als Kritikpunkt angesprochen wurde, überrascht, da sie doch zum größten Teil den Chat als Kommunikationsmittel im Alltag mit ihren Freunden nutzen. Ein möglicher Grund liegt in den komplexeren Inhalten des Geschichtsunterrichts, die sich doch erheblich von den üblichen Alltagsthemen im Chat unterscheiden. Probleme bereitete den Schülerinnen und Schülern das Zuordnen der Antworten zu den Fragen, was auch das Mitlesen und Nachfragen teilweise schwierig gemacht habe. Eventuell könnte hier eine weitere Reduzierung der Gesprächsteilnehmer helfen, zumindest bei jüngeren Schülerinnen und Schülern wie in diesem Fall, andererseits könnten so dann noch weniger Schülerinnen und Schüler direkt am Chat teilnehmen.
Daniel Eisenmenger unterrichtet Geschichte und Französisch am Eichendorff-Gymnasium Koblenz. Er administriert die lo-net²-Institution seiner Schule.