Sabine Stehno
11.08.2006

Wikis im Unterricht - ein Praxisbeispiel

Das Praxisbeispiel bezieht sich auf eine Erprobungsphase im Regelunterricht eines dritten Schuljahres der Grundschule Nadorst, Oldenburg. Zusätzlich wurde im Rahmen der Freiarbeit zwei Schülern der ersten Klasse die Gelegenheit zur Mitarbeit gegeben.

Mitschüler und Eltern werden miteinbezogen

Nach ein bis zwei Monaten wurde das Projekt über die Intranetseiten unserer Schule für alle Klassen geöffnet. Im Hausrundbrief unserer Schule kurz vor den Sommerferien wurden interessierte Eltern zur Mitarbeit aufgefordert und über den Link "Mitmachanleitung" auf der Schulhomepage angeleitet.

Wiki-Einführungsstunden

Sach- und Anwendungswissen
Im Projektbeispiel wurde den Kindern zunächst in zwei geschlossenen Schulstunden Sach- und Anwendungswissen rund um Wikis vermittelt. Anschließend war das Arbeiten im Wiki ähnlich einem Freiarbeitsmaterial freigestellt.

Erste Unterrichtsstunde: Begrifflichkeiten
In der ersten Unterrichtsstunde erklärte ich den Schülerinnen und Schülern Begrifflichkeit und Grundidee eines Wikis, verschiedene Beispiele wurden anhand des Beamers für alle sichtbar projiziert (zum Beispiel http://www.pferdewiki.de). Es blieb bewusst viel Raum für die Beantwortung der Kinderfragen und spontane Gespräche zum Thema. Wichtig ist die Begriffe "Internet", "Internetadresse (URL)" und "Link" zu wiederholen. Jedes Kind muss ihre Bedeutung verstanden haben, um die Idee eines Wikis nachvollziehen und umsetzen zu können.

Zweite Unterrichtsstunde: Internetsicherheit
Im Mittelpunkt der zweiten Wiki-Einführungsstunde stand die Vermittlung von Regeln und Bedienung: "Wikis schreiben - wie geht das? Was muss ich dabei beachten?" Auch dem Thema Internetsicherheit wurde von Anfang an Aufmerksamkeit gewidmet.

Unterrichtsverlauf

Die Weitererzählgeschichte wird eingeführt
Um möglichst praxisnah einführen zu können, stellte ich den Beginn der Weitererzählgeschichte "Lenas und Stefans Schulhofabenteuer" direkt vor. Sofort waren viele Kinder zum Weiterschreiben motiviert und damit auch aufnahmebereit für die Texterfassungsmöglichkeiten. Gemeinsam wurde eine Fortsetzung der Geschichte überlegt und der erste Link angelegt. Das dazugehörige Eingabeschema wurde parallel an der Tafel notiert. Per Beamer verfolgten alle das gemeinsame Tun im Klassenverband. "Editieren" wurde als neuer Fachbegriff eingeführt.

Das Merkheft
Das Schülerheft "So arbeite ich mit Wikis" wurde ausgeteilt. Es diente den Kindern von nun an als persönliches "Nachschlagewerk" bei der Wiki-Arbeitszeit. Nach ausführlichem Studium der Seite "Textauszeichnung" wurde ein zweites Link-Beispiel gemeinsam durchgeführt. Auch die Merkheftseite "Regeln für die Arbeit mit Wikis" wurde gemeinsam erarbeitet. Ich informierte die Kinder auch darüber, dass ich ihre Arbeiten als Administratorin stets aufrufen kann und als einzige die Möglichkeit habe, ganze Seiten zu löschen oder Veränderungen zurück zu nehmen.

Freiarbeitsmaterial
Ich verdeutlichte den Schülerinnen und Schülern abschließend, dass Wikis nun als neues Freiarbeitsmaterial in der Schule genutzt werden können. Die Kinder hatten von da an die Möglichkeit, sowohl anonym als auch über ihren passwortgeschützten Benutzerzugang zu arbeiten. Datenschutzregeln zur Arbeit im Internet wurden wiederholt.

Kinder schreiben anonym oder nennen ihren Namen
Am Computer wurden in einem Ordner alle Merkblätter zusammengefasst, die Überblick über die wichtigsten Regeln und Anwendungsmöglichkeiten, die im Merkheft schriftlich fixiert sind, geben. Außerdem können alle Schülerinnen und Schüler darin Wünsche und neue Ideen notieren. Auf der ersten Seite wird tabellarisch erfasst, welches Kind wann und woran auf den Wiki-Seiten der Schule gearbeitet hat.

Projektresümee

Sehr hohe Motivation bei den Kindern
Insgesamt lässt sich die Motivation der Kinder beider Klassen als sehr hoch zusammenfassen. Ich hatte vermutet, dass die Anwendung der Textauszeichnungsregeln (Wiki-Syntax, siehe Schülerheft) mehr Schwierigkeiten bereiten würde und einer längeren Anlaufphase bedürfte. Doch die meisten Kinder beherrschten diese binnen kürzester Zeit. Als besonders faszinierend erwies sich die Möglichkeit, im Wiki unkompliziert und schnell "selbst Internet zu machen", wie sich ein Schüler stolz ausdrückte. Ohne Erwachsenenhilfe konnte ein Beitrag vom Erfassen bis zum Einstellen ins Netz eigenverantwortlich gestaltet werden. Qualität und Quantität der bisherigen Beiträge unterscheiden sich deutlich, so dass davon auszugehen ist, dass der Grundgedanke der natürlichen Differenzierung greift.

Wikis für den fächerübergreifenden Unterricht geeignet
Mehrfach ergaben sich bereits fächerübergreifende Verknüpfungen, indem zusätzlich zum integrierten Deutschunterricht sachunterrichtliche Aspekte einflossen (Themen: "Mond", "Wald", "Bauen mit Ästen"). Ein Kind zeichnete im Kunstunterricht einen Maikäfer und verlinkte seine Arbeit anschließend mit einem Käferprojekt im Internet.
Insgesamt lässt sich die Einführung von Wikis in der Grundschule bisher als großer Erfolg im Rahmen der Erziehung zur eigenständigen Nutzung neuer Internettechnologien bewerten.

Informationen zur Autorin

Sabine Stehno ist Konrektorin der Grundschule Nadorst, Oldenburg. Als IT-Beauftragte der Schule konnte sie bereits mehrere Hauptpreise namhafter Internetschulwettbewerbe gewinnen.

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