Wo sind denn die Behinderten geblieben?Dieses Projekt fand an einer Schule statt, an der Kinder mit der Markierung "behindert" gemeinsam mit allen Kindern lernen. Teilweise sind die Beeinträchtigungen erheblich: Kinder sind kaum in der Lage zu sprechen, können nicht gehen, sind sozial-emotional stark belastet oder können nicht lesen und schreiben, manche Kinder denken sehr langsam. In Medienprojekten kann es vorkommen, dass man davon nichts mehr sieht. Hinter den präsentierten Inhalten steht in diesem Fall eine sehr heterogene Lerngruppe.
Integrative Aspekte der digitalen MedienGemeinsam haben wir etwas produziert. Wir haben auch gemeinsam darüber nachgedacht, wie jedes Kind mitarbeiten kann und etwas dabei lernt. Das gelingt nicht immer. Aber schon beim Schreiben am Computer können die Schülerinnen und Schüler vieles korrigieren, wieder rückgängig machen und noch einmal versuchen bis sie zufrieden sind - da lernt man viel. Digitale Fotos kosten erst mal kein Geld. Wir können viele Fotos machen, die besten heraussuchen und dann noch nachbearbeiten. Und man entdeckt viele neue Fähigkeiten bei Kindern: Manche können vielleicht besonders gut Interviews führen, andere machen beispielsweise gute Fotos. Die Ansprüche sind manchmal höher als die Ergebnisse. Dann ist man versucht zu schönen, indem nicht so perfekte Resultate weggelassen werden. Das ist sicher nicht unproblematisch.
Höchst unterschiedliche ErgebnisseDas Projekt dauerte zwei Donnerstage á fünf Stunden, hinzu kam der Präsentationstermin. Die Ergebnisse sind sehr unterschiedlich. Ich habe sie nicht verändert, geglättet oder geschönt. Perfekte Schülerergebnisse machen mich sowieso misstrauisch. Je professioneller die Produkte, desto weniger waren oft die Schülerinnen und Schüler mit eigenen Entscheidungen daran beteiligt. Andererseits wird ein professionell wirkendes Produkt mit besonderem Stolz präsentiert. Dieser Widerspruch muss in jedem Projekt neu verhandelt werden.(Quelle)
Ein vorgegebenes Layout ist vorteilhaftDer von mir vorgegebene Layoutrahmen, bei dem nur noch wenige Veränderungen vorgenommen werden konnten, entlastet von Gestaltungsaufgaben und sichert einen Zusammenhang in der Form.
Was ich anders machen würde, wenn mehr Zeit zur Verfügung stünde: Die Gesten der Wahrheitsproduktion hätte ich mit den Schülerinnen und Schülern gerne näher besprochen. Wirken Fotos plausibler oder Erfahrungsberichte oder Tabellen oder Interviews mit vermeintlichen Zeitzeugen? Was lässt sich einfacher fälschen? Die Erarbeitung von Kriterien für die Glaubwürdigkeit hätte mehr Zeit und Reflexion gebraucht. Dem Phänomen des Verstellens, Lügens, Fakens im Medium Internet würde ich gerne in einer neuen Unterrichtsreihe intensiver nachgehen: beim Chatten, beim Mailen, in Foren …
Wie es weiter geht:Jetzt arbeite ich in einer vierten Klasse. Wir werden ein Berlin-Projekt durchführen und auch im Internet veröffentlichen. Dabei werden sich neben ernst gemeinten Beschreibungen auch Sehenswürdigkeiten finden, die jetzt noch niemand kennt …