EntstehungsgeschichteDie Idee entstand, als ich mit dieser Lerngruppe Basiswissen zum Thema Römer erarbeitete. Damals haben wir unser Pflichtprogramm (sieben Arbeitsblätter) so schnell bearbeitet, dass Zeit für Internetrecherchen und kleine Schülervorträge blieb. Meine Frage: "Stimmt denn das alles, was ihr im Internet findet?" hatte Irritationen ausgelöst. "Auf welche Informationen kann ich mich eigentlich verlassen?"
Impressum muss seinIn einem Gespräch mit den Schülerinnen und Schülern schlage ich vor, selbst Internetseiten bewusst zu fälschen und dabei möglichst glaubwürdig aussehen zu lassen. Es gibt viele Bedenken auf Seiten der Kinder: Das ist ja voll peinlich! Darf man das überhaupt? Wird das nicht bestraft? Ich biete an, die Verantwortung zu übernehmen und kläre die Schülerinnen und Schüler über die Impressumspflicht bei Internet-Publikationen auf.
Fälscher am WerkLangsam erwacht die Lust am Faken, wird während der Arbeit immer mehr und hätte bestimmt noch länger als zwei Vormittage getragen. Ja, man könnte unterschiedliche Mauern fotografieren und so tun, als ob die ältesten Steine römischen Ursprungs seien. Man könnte mit vorhandenen Texten aus dem Geschichtsbuch arbeiten und die Informationen ein klein wenig verschieben, so dass alles plausibel klänge. Ich muss für ein Foto herhalten, auf dem angeblich eine römische Schrifttafel zu sehen ist. Einige Ideen und Ergebnisse tendieren ins Absurde. Manche Schülerinnen und Schüler arbeiten intensiv mit Büchern und dem Geschichtsordner.
"Dies ist das Auge Jupiters, das seit Jahrhunderten am Tempel des Jupiter angebracht ist und die Menschen beobachtet. Nun schaut es auf eine Schule." (Zur Vergrößerung Abbildung 1 bitte anklicken.)
"Solche Schützenbarrikaden waren sehr häufig und sind auch heute noch zahlreich zu finden." (Zur Vergrößerung Abbildung 2 bitte anklicken.)
Am Ende des ersten Vormittags schauen wir alles an, Änderungsvorschläge werden diskutiert und in einem Abschlussgespräch kommen wir auf mögliche Kriterien für Glaubwürdigkeit zurück.
Schüleräußerungen:
Ich erzähle davon, dass selbst in der Wissenschaft ständig Forschungsergebnisse revidiert werden müssen, ja dass das die eigentliche Wissenschaft sei. Tabea antwortet: "Man muss selbst viel wissen, dann kann man am besten überprüfen, ob etwas stimmt oder nicht."Eine Woche später hat sich das Procedere verselbständigt. Schülerinnen und Schüler haben sich abgesprochen, vorbereitet und verabredet. Am Rechner mit der Internetseite ensteht langsam ein Stau. Ich biete an, in Word gespeicherte Seiten später einzubauen. Aber wenigstens die Layoutfarben wollen die Kinder jetzt schon bestimmen.
Stolz hält Hatice das Mikrofon in der Hand und erklärt zusammen mit Jomeima ihre groß an die Aulawand projizierte Website. Sie hat mir ins Ohr geflüstert: "Unser Projekt ist echt Spitze!" Sie wird, genau wie die anderen fünf Schülergruppen, die Arbeit der beiden Donnerstage im Plenum vorstellen. 70 Schülerinnen und Schüler sind anwesend. Das Mikrofon verleiht der Präsentation, neben dem Beamer, ein weiteres professionelles Element und hilft den Schulkindern, sich Gehör zu verschaffen. Dabei muss die Schüchternheit überwunden werden, umso stolzer ist man am Ende. Nicht alle Schülerinnen und Schüler finden unsere Idee gut. Meine Einladung zu schriftlichen Kommentaren fördert Vielstimmiges zu Tage:
Ja, es wird von Google gefunden, man kann aber auch auf der Homepage derHeinrich-Zille-Grundschule nachschauen.