Nicht erst seit PISA wissen wir, dass Lesen eine Kompetenz ist, die dauernder Förderung und lebenslanger Pflege bedarf. Der schulische Deutschunterricht nimmt sich des Themas Leseförderung vor allem in der Orientierungsstufe, also in den Klassen 5 und 6, an und unterstützt den Aufbau einer stabilen Lesemotivation durch Vorlesestunden, Bibliotheksbesuche, Vorlesewettbewerbe, Buchvorstellungen, Lektüre von Jugendbüchern im Klassenverband und vielfältige andere Aktivitäten rund ums Buch.
Interessenskonflikt LektürewahlIn der Mittelstufe, also dann, wenn die Jugendlichen, insbesondere die männlichen, in eine auch empirisch belegbare "Lesekrise" geraten, schlafen diese Aktivitäten häufig ein. Wer unter den Deutschlehrerinnen und Deutschlehrern interessiert sich schon ernsthaft für die privaten Lektüregewohnheiten und -präferenzen der Schülerinnen und Schüler? Wer gibt nicht nur gut gemeinte Buchtipps, die als pädagogisch und literarisch gleichermaßen wertvoll auf der Auswahlliste des Deutschen Jugendliteraturpreises stehen, sondern fragt nach, zu welchen Autoren und Autorinnen Jugendliche von sich aus greifen? Wer liest ein Buch, das Schülerinnen und Schüler empfohlen haben? Wer ehrlich ist, wird zugeben müssen, dass Lehrkraft und Lernende literarisch ab Klasse 8 verschiedenen Welten leben und dass einige Jugendliche außerhalb des als langweilig empfundenen Literaturunterrichts überhaupt nicht mehr lesen.Lernende einbeziehenDeshalb ist es wichtig, auch in der Mittel- und Oberstufe das Lesen von Büchern im Deutschunterricht zu thematisieren und dabei nicht nur beim Bildungsplan und der kanonisierten Lektüreliste stehen zu bleiben, sondern die Schülerinnen und Schüler in die Lektüreauswahl einzubinden.