Anhand einer Reihe interessanter Beiträge zur Theorie und Praxis werden hier die Einsatzmöglichkeiten des Internet im Geschichtsunterricht vorgestellt. Dabei steht insbesondere das Thema "Informationsrecherche und Bewertung von Internetseiten" im Vordergrund der vorgestellten Artikel.Stephanie Marra, Geschichtswissenschaft und InternetJens Hildebrand, Internet-Recherche im (Geschichts-)UnterrichtEduard Schön und Klaus Fieberg, "Offline" oder "Online"?Ralf Blank, Internet und Rechtsextremismus
Der Artikel von Stephanie Marra führt uns eindringlich die Bedeutung einer kritischen Betrachtung von Webseiten im Internet vor Augen und spornt zugleich an zu einer solchen genauen Prüfung und Bewertung von Webseiten insbesondere im Fach Geschichte.
Die Autorin gibt zunächst einen Überblick zur Entwicklung der Präsenz der Geschichtswissenschaft im Internet, wonach erst seit 1998 "von einer allmählichen Etablierung und vorsichtigen Akzeptanz der neuen Medien gesprochen werden (kann)". So sind im demokratischen Internet inzwischen vielfältige Angebote von HobbyhistorikerInnen entstanden, die nur selten mit den Ergebnissen des Fachdiskurses einhergehen. Daher weist Marra in diesem Zusammenhang auf die "Verantwortlichkeit der Fachwissenschaft" hin, die entsprechenden "Gegenangebote" für die interessierte Allgemeinheit veröffentlichen sollte.Richtig sind hier auch Marras Anmerkungen zu einem "kritischen Umgang mit populärwissenschaftlichen Internetangeboten". An dieser Stelle werden unter anderem Angebote wie der "Geschichtsring Deutschland" und die häufig zitierte "2000 Jahre Chronik Geschichte" in Frage gestellt. Aber auch einige Linksammlungen für das Fach Geschichte, die teilweise lediglich oberflächlich recherchierte Links beinhalten, werden kritisch beleuchtet. Schließlich folgen wichtige Hinweise auf seriöse sowie vermeintlich seriöse Fachportale. Besonders zum Thema "Nationalsozialismus" kann man nur mit Mühe die revisionistischen Seiten von vertrauenswürdigen Angeboten unterscheiden.(Stephanie Marra, Geschichtswissenschaft und Internet (Basisbeitrag), in: Praxis Geschichte 14, Heft 5, 2001, S. 4-7)
Welche Hilfen wir unseren SchülerInnen geben können, damit sie sich in der Informationsflut des Internet zurecht zu finden, ist das Thema der beiden Artikel "Die Internet-Recherche im (Geschichts-) Unterricht" von Jens Hildebrand und "'Offline' oder ‚Online'? Möglichkeiten der internetbasierten Erarbeitung im Geschichtsunterricht" von Eduard Schön/Klaus Fieberg. Beide befassen sich mit den Möglichkeiten der Informationssuche sowie der kritischen Bewertung von Internetseiten.
Jens Hildebrand stellt in seinem "Grundmodell einer Internet-Recherche" dar, wie die SchülerInnen in mehreren Schritten der Recherche zu einer "kritischen Beurteilung der gefundenen Informationen" gelangen können. Das Arbeitsblatt des Autors "Bewertung der Qualität von Internetseiten im Geschichtsunterricht" kann sofort im Unterricht eingesetzt werden. (Jens Hildebrand, Internet-Recherche im (Geschichts-)Unterricht, in: Praxis Geschichte 14, Heft 5, 2001, S. 13-15)
In dem Artikel "'Offline' oder ‚Online'? Möglichkeiten der internetbasierten Erarbeitung im Geschichtsunterricht" erläutern die Autoren Fieberg und Schön die Möglichkeiten einer sogenannten "Typologie der Nutzung des Internet" und stellen beispielhaft die beiden Variablen "Grad der Offenheit des Zugangs zu Internet-Ressourcen" sowie "Grad der Lenkung der Schülerinnen und Schüler" gegenüber. Hier wird ein Phasenmodell zur Recherche im Geschichtsunterricht vorgestellt, das schrittweise (Phase 1 bis 4) in die Informationsrecherche im Fach Geschichte einführt und schließlich in die Produktion von Webseiten (Phase 5) durch die SchülerInnen mündet.
Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch der Hinweis, dass die Lehrkraft mögliche Internetressourcen zunächst selbst prüft, didaktisch reduziert und strukturiert, um unter anderem auch unterschiedliche Vorkenntnisse der SchülerInnen und mögliche "Probleme, Frustrationen und Misserfolgserlebnisse zu vermeiden".(Eduard Schön und Klaus Fieberg, "Offline" oder "Online"?, in: Praxis Geschichte 14, Heft 5, 2001, S. 16-17)
Ralf Blank weist auf die oftmals "unzureichende Qualifikation im kompetenten und gefestigten Urteilsvermögen der Lehrkräfte" als eines der größten Probleme im Umgang mit rechtsextremen und revisionistischen Online-Angeboten.
Der Autor äußert sich - wie zuvor bereits schon Stephanie Marra - besorgt bezüglich eines "sorglosen Umgangs mit historischen Fakten" aus dem Internet. In einigen Fällen sind seinen Angaben zur Folge selbst in den Linksammlungen auf den öffentlich geförderten Bildungsservern "nicht nur wissenschaftlich höchst fragwürdige Angebote" zu finden. Empfehlenswert sind Blanks Hinweise zum Einsatz des Themas im Unterricht. Hierfür werden Materialien für den Unterricht zum Thema "Internet und Rechtsextremismus" unter besonderer Berücksichtigung der Website von Jürgen Langowski "Holocaust-Referenz" vorgestellt.(Ralf Blank, Internet und Rechtsextremismus, in: Praxis Geschichte 14, Heft 5, 2001, S. 32-34)
Uta Hartwig unterrichtet Geschichte und Englisch an der Max-Tau-Schule in Kiel. Gleichzeitig ist sie als Fachberaterin Geschichte für Lehrer-Online tätig.
Internetrecherche, multimediales Material, Lehrmittel