Georg Barth
15.08.2000

Gewaltprävention

 

In der aktuellen Debatte zum Rechtsextremismus taucht auch die Forderung nach Maßnahmen in der Schule auf. Vor allem Politiker fordern eine intensivere Behandlung der Thematik. Sehen Sie dazu die Unterrichtseinheit "Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit". Im Sinne von Präventivmaßnahmen reichen aber eine themenbezogene Auseinandersetzung und die Vermittlung von Wissen allein nicht aus. Aber was kann die Schule über die themenbezogene pädagogische Arbeit hinaus leisten? Dieser Artikel will einen groben Überblick über das Angebot des deutschsprachigen WWW zum Thema Gewaltprävention geben und einige Anregungen vermitteln.

 

Vorurteile

Rassismus und Fremdenfeindlichkeit basieren auf Vorurteilen, die rein rational nur schwer abzubauen sind. Um sie aufzubrechen, eignet sich ein Wechsel der Perspektive, wie er in der bekannten Übung Braunäugig/Blauäugig zum Tragen kommt.  Die Grundschullehrerin Jane Elliott hat sie am Tag nach der Ermordung von Martin Luther King eingesetzt, um ihrer weißen Schülergemeinde das Geschehnis begreiflich zu machen. In Form von Workshops ist dieses Verhaltenstraining schon oft angewendet worden und ist auch an Schulen durchführbar. Das ökomenische Lernprojekt Schritte gegen Tritte funktioniert nach einem ähnlichen Prinzip. Auch das Planspiel Die Insel verlangt einen Wechsel der Perspektive. Die Vorgaben für die jeweiligen Gruppen bieten Anregungen für ähnliche Szenarien.

Verantwortung übernehmen

Gewaltbereitschaft entsteht auf dem Boden von übermäßiger Frustration und einem Ohnmachtsgefühl. Die Übertragung von Verantwortung an SchülerInnen und deren Beteiligung im Sinne der inneren Schulentwicklung ist eine tragende Säule der Gewaltprävention. Sogar für die - eher unangenehme - Aufgabe der Gestaltung und Betreuung der Toiletten lassen sich SchülerInnen begeistert in die Verantwortung nehmen. Der Wille zur Mitgestaltung des Lernumfelds ist häufiger anzutreffen, als vermutet. Die Beteiligung der SchülerInnen führt oft zu einer  stärkeren Identifikation mit der Schule und die Verantwortlichkeit fördert das Selbstwertgefühl. Die Projekte und Aktionen sollten sich aus einer Analyse der individuellen Mangelsituation der Schule ergeben. Naheliegende Ansätze sind oftmals die Gestaltung von Schülercafés oder Pausenhof.

Das Fehlen von Regeln begünstigt die Entstehung von Gewalt, schon bestehende Regeln werden oft als aufgezwungen empfunden. Die Schülerinnen können an der Festlegung von Sozialnormen beteiligt werden und z. B. einen Vertrag unterschreiben. Die Regeln sind nicht mehr nur auferlegt, werden durch die Unterschrift verbindlicher erlebt und besser mitgetragen.

Ein Schulklima lässt sich formen. Dass es funktioniert, zeigen Erfolgsberichte von Schulen, wie z. B. der Erich Maria Remarque Schule. Dort hat ein Wandel des Schulklimas stattgefunden, den man schon als Wunder von Berlin bezeichnen kann. Der Prozess hat allerdings einige Jahre gedauert.

Kooperation und Kommunikation

Der kleinste Teil der Gewalt an Schulen ist "hausgemacht" und deswegen müssen sich Erfolg versprechende Präventiv-maßnahmen auch auf den außerschulischen Bereich, etwa im Rahmen von Projektwochen erstrecken. Kooperative Projekte können und sollen die Elternschaft, Kirchengemeinden, Jugendzentren, Sportvereine, kommunale Behörden und andere Institutionen in einer regionalen Vernetzung einbeziehen.

Eine verbesserte Kommunikation wird möglich über das Erlernen bestimmter Techniken. Stichwörter sind hier Mediation, Streitschlichtung (peers) und  interkulturelle Sensibilisierung. Einige Projekte, die in diesem Bereich angesiedelt sind, finden Sie in dieser Zusammenstellung. Im September gibt das Netzwerk "Gewaltprävention und Verantwortungsübernahme" einen Videofilm "Der Gewalt auf der Spur" heraus, in dem die wirksamsten Teilprojekte des Modellversuchs zusammengefasst werden.

Umweltbildung & BNE
 
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