Ernst Wagner
03.07.2000

Computer und Kunstunterricht

Die Möglichkeiten digitaler Gestaltung haben die Welt der Bilder verändert: in der Kunst, in den angewandten Künsten und in der Alltagsästhetik. Sie haben unser Bild von der Welt verändert. Sie haben zudem alle gestalterischen Berufe revolutioniert.

Den einschneidenden Neuerungen durch die medienbasierte Gestaltung hat sich das Fach Kunsterziehung zu stellen. Wenn es stimmt, dass die Kommunikation in der Informationsgesellschaft zunehmend über "Bilder" funktioniert, eröffnet sich für das Fach eine große Chance, da in keinem anderen der Umgang mit Bildern (Bilder erzeugen und "lesen") gelehrt wird. Das Ziel eines Zugangs zu den digitalen Bildwelten aus dem Blickwinkel des Faches Kunst muß es sein, Kinder und Jugendliche zu einem sachgerechten, selbstbestimmten, verantwortungsbewussten, kritischen und vor allem kreativen Umgang mit den Medien zu befähigen.

Computer als Werkzeug

Die "neuen Medien", soweit sie unter dem Zeichen der digitalen Revolution für das Fach Kunsterziehung bedeutsam sind, berühren vier Schwerpunkte: Printmedien, Animation und Video, Multimedia, Internet. Dabei sind in allen Bereichen Realisierungen in 2D- wie 3D-Bildwelten möglich und sinnvoll:

  • Printmedien (Simultane Bildsprache)
    Einsatzbereich: Textgestaltung und Layout (Schrift, Zeitung, Plakat, Prospekt); Digitale Bil-derstellung und -bearbeitung (Angewandte und freie Grafik, Design, Architektur, Digitale Fotografie, Bildbearbeitung
  • Multimedia (Interaktive Bildsprache)
    Einsatzbereich: Hypermedia, Computerspiel, Lernprogramm, Simulation (Präsentationen, Referatbegleitung, "Point of Information", (Lern-) Spiel, Simulation, Architektursimulation
  • Multimedia und Internet (Interaktive Bildsprache)
    Einsatzbereich: Gestaltung von Kommunikation (Homepages, Projektarbeit im Netz, Lernprogramme); Kooperationsformen (Projekt, spielerische, webbasierte Kooperationsformen)
 

In diesen Beispielen wird der Computer als Werkzeug bei Gestaltungsaufgaben benützt, SchülerInnen entfalten im Unterricht mit dem Computer spielerisch und frei ihre schöpferischen Kräfte oder sie gestalten Information für eine authentische, zweckgerichtete Kommunikation (Kommunikationsdesign). Die bestehenden Lehrpläne der meisten Bundesländer verpflichten nicht zum Computereinsatz, sie machen ihn aber in sehr vielen Fällen möglich und sinnvoll.

Computer als Gegenstand des Nachdenkens

Soweit der enge Zeitrahmen des Faches es zulässt, wird der Computer als Medium aber auch Gegenstand der Reflexion sein. Dies kann am sinnvollsten an den mittlerweilen herausragenden Beispielen der Medienkunst innerhalb der Kunstgeschichte und an Beispielen digitaler Bildwelten in der Alltagsästhetik (Werbung, Videoclips, Computerspiele, Bildmanipulation) geleistet werden.

Hardwareausstattung

Die für den Kunstunterricht geeigneten Programme verlangen eine leistungsstarke Hardware mit entsprechender Zusatzausstattung (Scanner, Farbdrucker, SW-Laserdrucker, Videoschnittstellen, Soundkarte, großer Monitor (ab 17 Zoll) Arbeits- und Massenspeicher).

Einsatzformen

Zwei Modelle für den Einsatz des Computer im Kunstunterrich haben sich bewährt:

  • Entweder steht ein oder es stehen einzelne Rechner (sinnvoll mit Scanner) im Zeichensaal, an denen maximal kleine Schülerteams arbeiten, während die anderen die gestellten Aufgaben mit traditionellen Techniken lösen.
  • Oder es steht - falls der allgemeine Computerraum der Schule nicht ausreichend ausgestattet  oder überbelegt ist - analog zum Fotolabor ein eigenes "Computerlabor" zur Verfügung, das im regulären Unterricht, in Kursen oder im Wahlunterricht und für freie Projektarbeit genützt werden kann.

In jedem Fall bietet es sich an, fächerübergreifend, arbeitsteilig, selbständig und auch einmal außerhalb des Stundenrhythmus an Projekten zu arbeiten. Das gehört zur traditionellen Kultur des Fachs Kunst.

Der Entwicklung von Bilddatenbanken und dem Einsatz von Beamern im Unterricht als Ersatz für Diasammlung und Diaprojektion ist im Moment erhöhte Aufmerksamkeit zu schenken.

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Dr. Ernst Wagner
 
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