Redaktion / PM
29.01.2015

Blackfacing: Der Anglizismus des Jahres 2014

Der Anglizismus des Jahres 2014 ist das Wort Blackfacing. Außerdem in der engeren Auswahl waren Social Freezing, Photobombing und Sexting.
 

Das Wort Blackfacing ist vom englischen Blackface abgeleitet und bezeichnet die Darstellung schwarzer Menschen durch (häufig stereotyp) geschminkte Weiße, ursprünglich vor allem im Rahmen von Theateraufführungen. Diese Praxis gilt weithin als rassistisch, da sie die komplexe Identität einer diskriminierten Gruppe als Kostüm behandelt, das beliebig an- und abgelegt werden kann, und da sie der betroffenen Gruppe die Fähigkeit abspricht, sich und ihre Erfahrungen selbst darzustellen.

Über den Anglizismus des Jahres

Blackfacing in Theater und Fernsehen
Im Deutschen findet sich das Wort seit Anfang des 21. Jahrhunderts in Diskussionen der amerikanischen Film- und Theatergeschichte, meist in der englischen Form Blackface. Seit 2009 bezieht es sich immer häufiger auch auf deutsche Theateraufführungen und die Form wandelt sich zum nur noch oberflächlich englischen Blackfacing. In jüngerer Zeit wird es verstärkt auch in Zusammenhängen außerhalb des Theaters verwendet, 2014 etwa in Bezug auf die Tradition des Sternsingens, auf eine Saalwette bei "Wetten, dass..?", bei der die Zuschauerinnen und Zuschauer sich mittels Schuhcreme als Kinderbuchfigur Jim Knopf verkleiden sollten, oder auf deutsche Fußballfans, die sich beim WM-Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Ghana schwarz schminkten. Dabei findet sich vereinzelt auch schon ein im Deutschen gebildetes Verb, blackfacen (blackfacete, geblackfacet).

So wird entschieden
Um Anglizismus des Jahres zu werden, muss ein Wort ganz oder in Teilen aus dem Englischen entlehnt sein, im betreffenden Jahr eine deutliche Verbreitung im Sprachgebrauch erfahren haben und eine interessante Lücke im Wortschatz des Deutschen füllen. Normalerweise entsteht eine solche Lücke, weil eine neue Technologie, gesellschaftliche Praxis oder Idee benannt werden muss. An Blackfacing überzeugte die Jury, dass die Tradition der Darstellung schwarzer Menschen durch entsprechend geschminkte Weiße in Deutschland schon sehr lange existiert, dass aber erst seit der Entlehnung und Anpassung des englischen Blackface/Blackfacing ein Wort gibt, mit dem diese Tradition benannt und bewertet werden kann.

Platz 2: Big Data
Mit der modernen Informationstechnologie ist es möglich geworden, Datenmengen zu speichern, die zu groß sind, um sie mit herkömmlichen Verfahren zu ordnen oder gar auszuwerten. Big Data nennt man sowohl diese Datenberge als auch neu entwickelte Verfahren zu ihrer Untersuchung. Das Wort wurde 2014 massentauglich, als Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte, das Big-Data-Mining sei profitabler als der Steinkohlebergbau.

Platz 3: Selfie (Publikumsliebling)
Digitale Selbstporträts in sozialen Netzwerken waren vor 2013 zwar nicht unbekannt, aber unbenannt. Dann entstand im australischen Englisch das Wort Selfie, eine Ableitung aus self portrait mit der typisch australischen Verkleinerungsendung -ie. Von dort aus eroberte es die ganze Welt und spielte 2014 auch in Deutschland eine wichtige Rolle, etwa in der Diskussion um das "Kneipen-Selfie" der Bundeskanzlerin am Rande des G-20-Gipfels. Die große Breitenwirkung des Phänomens "Selfie" drückt sich auch in der Wahl des Wortes zum Publikumsliebling aus.

Über den Wettbewerb

Die unabhängige Initiative "Anglizismus des Jahres" würdigt seit 2010 jährlich den positiven Beitrag des Englischen zur Entwicklung des deutschen Wortschatzes. Bisherige Anglizismen des Jahres waren leaken (2010), Shitstorm (2011), Crowdfunding (2012) und die Nachsilbe -gate (2013). Den Vorsitz der Jury hat Anatol Stefanowitsch, Professor für anglistische Sprachwissenschaft an der Freien Universität Berlin und Autor beim populärwissenschaftlichen Sprachlog.

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