Redaktion / PM
20.08.2014

LWL-Kommission: Bezeichnungen für "Schulanfänger"

Für viele Kinder in Nordrhein-Westfalen beginnt in diesen Tagen "der Ernst des Lebens", sie werden zu "Schulanfängern" oder "Erstklässlern". LWL-Sprachforscherinnen und Sprachforscher haben eine Karte entworfen, die die häufigsten Bezeichnungen für Schulanfänger in den westfälischen Mundarten zeigt.
 

In Westfalen werden die Schulanfängerinnen und Schulanfänger "I-Männchen" genannt. Dieses Wort ist, wie viele Wörter der alltäglichen Sprache in Westfalen, eine Übernahme aus dem westfälischen Platt, wie Dr. Markus Denkler, Geschäftsführer der Kommission für Mundart- und Namenforschung beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), erläutert. "Auf Platt sagt man in Westfalen vorwiegend 'I-Männkes‘ oder 'I-Männekes‘", erklärt Denkler. "Diese Bezeichnung rührt daher, dass die Schulanfänger ihre Schreibübungen früher mit dem kleinen i begannen". Die Schreib-Fibel der I-Männchen heißt auf Platt daher "I-Book" - nicht zu verwechseln mit dem modernen iBook.

 

Erstklässler-Karte

Von ABC-Schützen bis I-Krötkes
Die Sprachforscherinnen und -forscher des LWL haben eine Karte entworfen, die die Verbreitung der häufigsten Bezeichnungen für die Erstklässler in den westfälischen Mundarten zeigt. Andere Bezeichnungen als "I-Männ(e)kes" kommen vor allem in Ostwestfalen-Lippe vor. In Minden-Lübbecke sagt man etwa "de Lüttken" oder "de lüttken Schölers". In dieser Region wird anstelle von "klein" das Wort "lüttk" verwendet, das mit englisch "little" verwandt ist. Vor allem aus Lippe wird die Bezeichnung "ABC-Schützen" gemeldet, sie ist auch in der regionalen Alltagssprache Deutschlands weit verbreitet. Verstreut kommen noch weitere Wörter mit "I" vor: "I-Krötkes", "I-Püngels" und "I-Pummels". Oft handelt es sich dabei um herablassende Bezeichnungen der älteren Schülerinnen und Schüler für die Neulinge.

Die "Karriere" des I-Dötzchens
Ein Wort wird der eine oder andere auf der Karte vielleicht vermissen: das "I-Dötzchen". "Dieses Wort ist in den westfälischen Mundarten fast gar nicht belegt", sagt Denkler. "Es stammt aus dem Rheinland. Das 'I-Dötzchen‘ hat aber in den vergangenen Jahren eine erstaunliche Karriere gemacht, mittlerweile hat es sogar bis nach Süddeutschland Verbreitung gefunden", so der Sprachwissenschaftler weiter. Auch in Westfalen-Lippe wird es immer häufiger verwendet: Beim Schulstart im vergangenen Jahr war in westfälischen Zeitungen schon 118-mal von "I-Dötzchen" die Rede und 171-mal von "I-Männchen". Ob sich die westfälischen "I-Männchen" gegen die rheinischen "I-Dötzchen" behaupten können, wird sich in der Zukunft zeigen.

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