Redaktion / PM
11.07.2014

Burnout-Risiko: Hohe Belastungen unter Lehramtstudierenden

Saarbrücker Bildungsforscherinnen und -forscher um Professorin Julia Karbach und Corinna Reichl haben herausgefunden, dass angehende Lehrkräfte schon zu Beginn des Studiums ein höheres Burnout-Risiko tragen als andere Berufsgruppen.
 

Stundenlanger Lärm, Schülerinnen und Schüler, die schwer zu motivieren sind, und anspruchsvolle Eltern und das Tag für Tag, Jahr für Jahr: Lehrerinnen und Lehrer haben oft keinen leichten Job. Viele von ihnen halten dem Druck nicht stand und gehen, völlig ausgebrannt, vorzeitig in den Ruhestand. Solche Burnout-Patienten kosten die Gesellschaft viel Geld. Außerdem leidet die Unterrichtsqualität: Gestresste Lehrerinnen und Lehrer sind öfter krank und sie halten in der Regel auch keinen guten Unterricht. Auch dieser Mangel verursacht später volkswirtschaftliche Schäden, wenn die schlechter ausgebildeten Jugendlichen auf den Arbeitsmarkt drängen - oder eben auch nicht. "Wir wollten herausfinden, ob es bereits zu Beginn des Studiums Indizien dafür gibt, wer später hochbelastet ist und daher ein erhöhtes Burnout-Risiko hat", erklärt Julia Karbach. Die Professorin für Pädagogische Psychologie untersuchte gemeinsam mit ihren Kollegen die Persönlichkeitsstruktur angehender Lehrerinnen und Lehrer sowie deren Motive für die Wahl des Lehramtsstudiums.

 

Die Studie

Ungünstige Stressbewältigungsstrategien
Das Ergebnis: Bereits zu Beginn des Lehramtsstudiums weisen mehr Studentinnen und Studenten ungünstigere Stressbewältigungsstrategien auf als dies in anderen Berufsgruppen der Fall ist und sind somit später anfälliger für die Entwicklung eines Burnout-Syndroms. "Wir haben die Studentinnen und Studenten vier grundsätzlichen Mustern zugeordnet: 1. motivierte, gesunde, stressresistente und engagierte Studenten, 2. eher ‚zurückgelehnte‘ Leute, die andere arbeiten lassen, aber dennoch gesund sind, 3. sehr motivierte Studierende, die hohe Ansprüche an sich selbst haben und deren psychische Gesundheit durch die Selbst-Überforderung gefährdet ist, und 4. junge Lehramtsanwärter, die so viel Stress empfinden, dass sie sich von der Arbeit bereits überlastet fühlen", erklärt Psychologin Karbach.

Die Gründe für die Studienwahl entscheiden
Die 559 Probanden sowie die Kontrollgruppe aus 150 Psychologiestudenten haben einen Fragebogen ausgefüllt, der ihr Arbeitsverhalten und das Erleben ihres Berufes beziehungsweise Studiums erfasst. Darin wurden etwa die Leistungsbereitschaft, Stressbewältigungsstrategien sowie das subjektive Wohlbefinden bei der Arbeit abgefragt. "Wir haben nun eindeutig festgestellt, dass gerade die intrinsisch motivierten, also die ‚Überzeugungstäter‘, die gerne Lehrer um des Lehrens willen werden möchten, eher entspannt sind und kein übermäßiges Burnout-Risiko tragen. Die extrinsisch motivierten Leute - also diejenigen, die das Studium gewählt haben, weil sie davon ausgehen dass es leichter ist als andere Studiengänge - haben hingegen ein höheres Risiko, in einer der Gefahrengruppen für Burnout zu landen", fasst Julia Karbach die Ergebnisse zusammen.

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