Redaktion / PM
02.08.2013

Rache im Netz: Cybermobbing an Schulen

Die Verbreitung von Cybermobbing an Schulen ist bislang eher unterschätzt worden, wie die Daten einer groß angelegten Befragungsstudie der Universitäten Münster und Hohenheim an 33 Schulen im süddeutschen Raum nahe legen.
 

Ein Drittel der 5.656 befragten Schülerinnen und Schüler ist von Cybermobbing betroffen. Das Spektrum reicht von beleidigenden Mails über das Hochladen von peinlichen Videos auf YouTube bis hin zum Online-Pranger über Facebook. Die Studie zeigt aber auch: Besonders verletzende Formen des Cybermobbing sind vergleichsweise selten. Die Befragung ist Teil des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekts "Cybermobbing an Schulen".

 

Die Studienergebnisse

Viele beleidigende Nachrichten
Am weitesten verbreitet sind beleidigende Nachrichten (14,5 Prozent der Befragten gaben an, beleidigende Nachrichten zu schreiben) sowie das Weiterleiten vertraulicher Informationen an Dritte (7,9 Prozent). Für die breite Öffentlichkeit zugängliche Formen von Cybermobbing wie das Hochladen peinlicher Bilder und Videos bei YouTube kommen dagegen eher selten vor (1,9 Prozent). Bei den Opfern von Cybermobbing zeigt sich ein ähnliches Bild: Beleidigungen, das Weiterleiten vertraulicher Informationen und das Verbreiten von Gerüchten sind die am häufigsten berichteten Erfahrungen.

Täter können auch Opfer sein
Die Studie zeigt, dass eine klare Unterscheidung zwischen Tätern und Opfern nicht immer möglich ist. Viele Jugendliche berichten, dass sie selbst Opfer wurden, gleichzeitig aber auch andere über das Internet gemobbt haben. Etwa ein Drittel der Betroffenen gehört zu dieser "Täter/Opfer"-Kategorie, während sich der Rest der Betroffenen jeweils zur Hälfte auf die Täter- und die Opfer-Kategorie verteilt.

Cybermobbing wird für Racheaktionen eingesetzt
In der Studie wurde das Cybermobbing auch mit traditionellem Schulmobbing verglichen. Dabei zeigt sich, dass das Verhältnis zwischen Tätern und der Täter/Opfer-Gruppe beim traditionellen Mobbing ein anderes ist als beim Cybermobbing. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich das Internet besonders gut für Racheaktionen eignet, wenn man selbst Opfer wurde. An den untersuchten Hauptschulen war dieses Muster besonders auffällig: Die Hauptschülerinnen und -schüler nutzen das Netz häufiger als Plattform, um sich zu rächen und nach einer erlittenen Mobbing-Attacke virtuell zurückzuschlagen.

Cybermobbing nimmt mit der Klassenstufe zu
Cybermobbing ist zwar bereits bei jüngeren Schülerinnen und Schülern ein bekanntes Phänomen, doch es nimmt mit den Klassenstufen deutlich zu: Während in der siebten Klassenstufe rund acht Prozent der Jugendlichen als Cybermobbing-Täter gelten können, steigt der Anteil danach deutlich an und liegt in der zehnten Jahrgangsstufe bei über 14 Prozent. Studienleiterin Ruth Festl vermutet einen medienbedingten Effekt: "Generell zeigen unsere Ergebnisse, dass Cybermobbing eher zwischen älteren Schülern stattfindet. Beim traditionellen Mobbing ist das nicht der Fall. Eine Erklärung liegt möglicherweise in der höheren Medienkompetenz älterer Jugendlicher. Außerdem nutzen die Älteren das Internet vermehrt ohne elterliche Kontrolle."

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